Auch genannt: Disinformation (englisch); im allgemeinen Sprachgebrauch auch „Fake News“, wobei dieser Ausdruck unschärfer ist.
Desinformation ist die absichtliche Verbreitung falscher oder irreführender Informationen, um Menschen oder Gruppen zu täuschen oder zu manipulieren. Entscheidend ist nicht allein, dass ein Inhalt falsch ist: Zur Desinformation gehört die Täuschungsabsicht. Sie kann politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Ziele verfolgen und Schaden in einer öffentlichen Debatte verursachen. Die UNESCO und die Europäische Kommission verwenden diese Abgrenzung als Orientierung.
Nicht jede unzutreffende Aussage ist Desinformation. Wer einen alten Beitrag teilt und dabei nicht erkennt, dass er überholt ist, kann andere in die Irre führen, ohne täuschen zu wollen. Wird derselbe Beitrag hingegen gezielt mit einem falschen Datum, einer erfundenen Quelle oder einem aus dem Zusammenhang gerissenen Bild verbreitet, damit er glaubwürdig wirkt, liegt der Gedanke der Desinformation näher.
Die Absicht lässt sich von außen nicht immer sicher feststellen. Deshalb sollte der Begriff nicht vorschnell als Etikett für jede abweichende, zugespitzte oder schlecht recherchierte Meinung dienen. Für die Einordnung sind Inhalt, Kontext, Verbreitungsweise und erkennbare Täuschungssignale zusammen wichtiger als ein einzelnes Schlagwort. Desinformation kann aus einem erfundenen Text bestehen, aber auch aus echten Informationen, die selektiv, zeitlich verschoben oder irreführend kombiniert werden.
Eine typische Desinformationsbotschaft verbindet mehrere Elemente: Sie behauptet etwas Falsches oder stellt einen Sachverhalt verzerrt dar, knüpft an ein emotionales Thema an und nutzt ein Format, das schnell weitergegeben wird. Das können ein Kurzvideo, ein Screenshot, eine vermeintliche Nachrichtenseite, ein Bild mit falscher Bildunterschrift oder ein Beitrag sein, der sich auf eine nicht auffindbare Quelle beruft.
Für ihre Wirkung muss eine Behauptung nicht vollständig erfunden sein. Besonders schwer zu prüfen sind Beiträge, die einen echten Anlass aufgreifen, einzelne Details korrekt wiedergeben und daraus eine unbelegte Schlussfolgerung ziehen. Aufmerksamkeit, Wiederholung und scheinbare Bestätigung durch mehrere Konten können den Eindruck verstärken, eine Aussage sei gut belegt. Das beweist jedoch weder ihre Richtigkeit noch eine koordinierte Kampagne.
Digitale Werkzeuge können die Produktion und Verbreitung beschleunigen. Synthetische Bilder, Stimmen oder Texte sind dabei nicht automatisch Desinformation: Entscheidend bleibt, ob sie über Herkunft oder Inhalt täuschen sollen. Herkunftshinweise und Wasserzeichen können bei der Einordnung helfen, ersetzen aber keine Prüfung der konkreten Behauptung. Der Beitrag von digital-magazin.de zu KI-Watermarking ordnet diese technischen Hinweise ausdrücklich als Transparenz- und Forensikhilfe ein, nicht als automatischen Wahrheitsbeweis.
Nach einem Unwetter kursiert ein Video, das angeblich zeigt, wie eine Behörde die Evakuierung eines Stadtteils anordnet. Tatsächlich stammt das Video aus einem anderen Ort und aus einem früheren Jahr. Wird es mit dem neuen Ortsnamen und der Aufforderung verbreitet, die Meldung rasch weiterzuleiten, kann das unnötige Angst auslösen und Entscheidungen beeinflussen.
Eine sorgfältige Prüfung beginnt hier nicht mit einer Vermutung über die Motive. Sie fragt zuerst: Wer ist die ursprüngliche Quelle? Wann und wo wurde das Material erstmals veröffentlicht? Gibt es eine offizielle Mitteilung oder mehrere voneinander unabhängige, belastbare Berichte? Bildersuche, der Vergleich von Ortsmerkmalen und der Blick auf Datum und Kontext können helfen. Bleibt die Herkunft offen, ist Zurückhaltung beim Teilen angemessen.
Der Begriff beschreibt Risiken für öffentliche Kommunikation, etwa bei Wahlen, Krisen, Gesundheitsthemen oder internationalen Konflikten. Er ist auch für Redaktionen, Plattformen, Bildungseinrichtungen und Organisationen relevant, die entscheiden müssen, wie sie mit auffälligen Behauptungen umgehen. Die Europäische Kommission weist darauf hin, dass sich Desinformation und Misinformation auf demokratische Debatten, Gesundheit, Sicherheit und Umwelt auswirken können.
In der Praxis geht es nicht nur um das Entfernen einzelner Beiträge. Medien- und Informationskompetenz soll Menschen dazu befähigen, Quellen, Belege und den Kontext einer Information kritisch zu prüfen. Das bedeutet nicht, jede Meldung selbst vollständig recherchieren zu müssen. Es bedeutet, bei überraschenden oder stark emotionalisierenden Behauptungen innezuhalten, die Quelle zu prüfen und unklare Inhalte nicht durch Weitergabe aufzuwerten.
„Fake News“ ist ein verbreiteter, aber unscharfer Sammelbegriff. Er kann absichtlich erfundene Nachrichten meinen, wird jedoch häufig auch gegen seriöse, aber unerwünschte Berichterstattung verwendet. Präziser ist es, zwischen Fehlern, Satire, Meinungen, unbelegten Behauptungen und absichtlicher Täuschung zu unterscheiden.
Auch eine Korrektur ist nicht einfach das Gegenteil von Desinformation. Sie kann Fehler berichtigen, erreicht aber nicht zwangsläufig dieselben Personen oder denselben Kontext wie der ursprüngliche Beitrag. Umgekehrt ist ein Hinweis auf eine Korrektur kein Beleg dafür, dass eine Quelle insgesamt vertrauenswürdig oder unzuverlässig ist. Einzelne Inhalte müssen an ihren überprüfbaren Aussagen gemessen werden.
Die Bekämpfung von Desinformation berührt zudem die Meinungs- und Pressefreiheit. Regeln und Moderation brauchen nachvollziehbare Kriterien und Verfahren. Ziel ist nicht, kontroverse Diskussionen zu unterdrücken, sondern nachweislich irreführende Täuschung erkennbar zu machen und ihre Verbreitung zu begrenzen.
Misinformation bezeichnet nach der Abgrenzung der Europäischen Kommission falsche oder irreführende Inhalte, die ohne schädliche Absicht geteilt werden können. Die möglichen Folgen können dennoch erheblich sein. Bei Desinformation ist die Täuschungsabsicht das entscheidende Unterscheidungsmerkmal.
Propaganda ist auf die systematische Beeinflussung von Einstellungen und Verhalten ausgerichtet. Sie kann Desinformation einsetzen, muss aber nicht ausschließlich aus falschen Aussagen bestehen. Auch einseitige Auswahl, emotionalisierende Sprache und Wiederholung können propagandistisch wirken.
Eine Halluzination (KI) ist eine nicht verlässliche Ausgabe eines KI-Systems, etwa eine erfundene Quelle oder falsche Tatsachenbehauptung. Sie wird erst dann zur Desinformation, wenn jemand sie mit Täuschungsabsicht in einen kommunikativen Kontext einbringt.
Zur Einordnung von Inhalten ist der Begriff Künstliche Intelligenz relevant, weil KI Systeme Inhalte erzeugen oder verändern können, deren Herkunft geprüft werden sollte. Die Digitale Kluft beschreibt dagegen ungleiche Voraussetzungen für Zugang, Kompetenzen und Teilhabe; sie ist keine Form falscher Information.