Auch genannt: Digital Wallet
Eine digitale Wallet ist eine Anwendung, die digitale Nachweise oder Zahlungsdaten verwaltet und sie bei Bedarf für einen Vorgang bereitstellt. Im weiteren Sinn kann sie etwa einen digital prüfbaren Altersnachweis oder Führerschein aufnehmen; im Zahlungsalltag sind hinterlegte Kredit- oder Debitkarten der bekanntere Fall. Das National Institute of Standards and Technology (NIST) beschreibt digitale Wallets im Umfeld verifizierbarer digitaler Nachweise als Anwendungen, die solche Nachweise halten und absichern können.NIST: Digital Identities and the Verifiable Digital Credential Ecosystem
Eine physische Geldbörse enthält zum Beispiel Karte, Ausweis oder Ticket. Eine digitale Wallet bündelt vergleichbare Informationen in einer Software, meist auf einem Smartphone. Sie ersetzt dabei nicht automatisch die Bank, die Behörde oder das Geschäft: Diese Stellen stellen Karten beziehungsweise Nachweise aus, prüfen sie oder führen eine Zahlung aus. Die Wallet ist die Oberfläche und der kontrollierte Speicher, über den eine Person Daten auswählen und verwenden kann.
Der Begriff ist weiter als „Bezahlen mit dem Handy“. Bei einer Wallet für verifizierbare Nachweise kann eine Person beispielsweise ein digitales Dokument vorzeigen, das sich kryptografisch prüfen lässt. NIST nennt für solche Verifiable Digital Credentials unter anderem digitale Führerscheine, Bildungsnachweise, Versicherungsnachweise und Nachweise bestimmter Eigenschaften wie eines Mindestalters. Zahlungswallets konzentrieren sich dagegen darauf, eine hinterlegte Zahlungsart im Geschäft, in einer App oder im Web nutzbar zu machen.
Eine Wallet muss zunächst mit nutzbaren Informationen eingerichtet werden. Bei einer Zahlungswallet kann das das Hinzufügen einer berechtigten Karte sein; Apple beschreibt diesen Vorgang für Apple Pay über die Wallet-App auf dem iPhone.Apple: Apple Pay Bei einer Nachweis-Wallet kann eine ausstellende Stelle einen digitalen Nachweis bereitstellen. Was tatsächlich hinzugefügt werden kann, hängt stets von Wallet, Gerät, Land, Kartenherausgeber und Dienst ab.
Wenn eine Person bezahlen oder einen Nachweis vorlegen möchte, wählt sie die passende Information in der Wallet. Das Gerät fordert typischerweise eine Entsperrung oder Bestätigung. Anschließend wird nicht einfach eine grafische Karte gezeigt, sondern die benötigte Information an ein Terminal, einen Browser oder einen prüfenden Dienst übergeben. Welche Daten dabei fließen, wie eine Bestätigung erfolgt und ob die andere Seite den Vorgang akzeptiert, richtet sich nach dem konkreten Verfahren.
Bei digitalen Nachweisen sind die Rollen wichtig: Eine ausstellende Stelle erstellt den Nachweis, die Inhaberin oder der Inhaber bewahrt ihn in der Wallet auf, und eine prüfende Stelle kontrolliert ihn. Die Wallet selbst entscheidet nicht, ob ein Nachweis echt ist; sie unterstützt die Übermittlung. Bei Zahlungen entspricht die Aufteilung grob Kartenherausgeber, Wallet-Anbieter, Zahlungsdienstleister und Händler. Eine Wallet ist deshalb keine eigenständige Garantie für Annahme, Deckung oder eine erfolgreiche Transaktion.
Eine Kundin bestellt in einem Online-Shop Kopfhörer. Im Checkout wählt sie eine angebotene Wallet-Zahlungsart. Statt Kartennummer, Ablaufdatum und Prüfnummer erneut einzutippen, bestätigt sie die Zahlung auf ihrem Gerät. Der Shop erhält anschließend die für die Abwicklung nötige Zahlungsbestätigung über seine Zahlungsinfrastruktur. Die Wallet verkürzt damit den Eingabeschritt; sie ersetzt weder die Bestellung noch die Prüfung und Abwicklung durch die beteiligten Zahlungsdienste.
Ein anderer Anwendungsfall ist ein Altersnachweis. Eine Person könnte gegenüber einem Dienst nur belegen, dass sie eine geforderte Altersgrenze erreicht, statt eine Kopie des gesamten Ausweises hochzuladen. Ob eine bestimmte Wallet oder ein bestimmter Dienst das anbietet, ist jedoch eine Frage der jeweiligen technischen und rechtlichen Umsetzung. Aus einer allgemein möglichen Funktion folgt keine sofortige Verfügbarkeit überall.
Digitale Wallets werden vor allem für kontaktloses Bezahlen im Laden sowie für Zahlungen in Apps und auf Websites genutzt. Apple beschreibt Apple Pay beispielsweise für Einkäufe in Geschäften, Apps und online.Apple: Apple Pay Im E-Commerce kann eine Wallet die Zahlstrecke vereinfachen, wenn Shop und Zahlungsdienstleister sie unterstützen. Ein Hintergrundartikel von digital-magazin.de erläutert diesen Kontext für mobile Checkouts und weist darauf hin, dass auch bei einem als „One Click“ beworbenen Ablauf eine Autorisierung stattfindet.digital-magazin.de: Mobile Wallet im E-Commerce
Daneben sind Identitäts- und Nachweis-Wallets denkbar, etwa für Führerschein, Abschluss, Ticket oder Altersmerkmal. Solche Anwendungen sind von Zahlungswallets abzugrenzen, auch wenn beide auf einem Smartphone liegen und ähnliche Bedienmuster haben. Für Nutzende ist entscheidend, welche Art von Daten die jeweilige Wallet verwaltet und welche Gegenstelle sie akzeptiert.
Eine digitale Wallet ist nicht dasselbe wie ein Bankkonto. Sie kann eine Karte oder Zahlungsoption nutzbar machen, führt aber nicht automatisch das Konto und ist keine pauschale Zusage, dass jede Zahlung funktioniert. Ebenso bedeutet eine Wallet nicht Anonymität: Bei einer Bestellung oder Zahlung können Händler und andere Beteiligte weiterhin Informationen benötigen, die für Vertrag, Lieferung oder Abrechnung erforderlich sind.
Auch Sicherheit entsteht nicht allein durch das Wallet-Symbol auf dem Bildschirm. Gerätesperre, Kontoabsicherung, die Sorgfalt bei Freigaben und ein nachvollziehbarer Wiederherstellungsweg bleiben wichtig. Wer sein Gerät verliert oder einer unklaren Aufforderung folgt, braucht die vorgesehenen Sperr- und Supportwege des jeweiligen Anbieters. Es ist sinnvoll, nur benötigte Daten hinzuzufügen und vor einer Freigabe zu prüfen, welcher Dienst welche Information verlangt.
Schließlich ist nicht jede digitale Karte ein verifizierbarer Nachweis. Ein Foto eines Ausweises ist etwas anderes als ein von einer zuständigen Stelle ausgegebener, technisch überprüfbarer Nachweis. Und nicht jede Wallet unterstützt dieselben Karten, Nachweise, Länder oder Endgeräte.
Eine digitale Wallet kann im Checkout als Zahlungsart erscheinen, ist aber nicht der Checkout selbst. Sie ist auch kein E-Commerce-System: E-Commerce umfasst den gesamten digital ausgelösten Handelsvorgang, vom Angebot bis zur Erfüllung. Von einer Multi-Faktor-Authentifizierung unterscheidet sich die Wallet ebenfalls: Eine Bestätigung in der Wallet kann Teil eines Sicherheitsablaufs sein, doch MFA bezeichnet das Zusammenspiel mehrerer Authentifizierungsfaktoren, nicht die Speicher- und Präsentationsanwendung.