Auch genannt: Green Computing, nachhaltige IT, Sustainable IT
Green IT bezeichnet die Planung, Beschaffung, Entwicklung, den Betrieb und das Ende des Lebenszyklus von Informationstechnik mit dem Ziel, Umweltbelastungen zu verringern. Gemeint sind nicht nur sparsame Geräte: Auch Software, Rechenzentren, Netze und digitale Dienste gehören dazu. Das Umweltbundesamt beschreibt Green IT als Ausrichtung dieser Bausteine auf Energieeffizienz und ökologische Nachhaltigkeit. Quelle: Umweltbundesamt
Digitales wirkt oft immateriell, ist es aber nicht. Eine Datei liegt auf Speichern, eine Videokonferenz nutzt Endgeräte, Netzwerk und Rechenzentrum, und jedes neue Gerät benötigt Rohstoffe sowie Fertigung. Green IT fragt deshalb bei einer digitalen Lösung nicht nur: Funktioniert sie? Sondern auch: Wie viel Energie und Material braucht sie über ihre gesamte Nutzungsdauer, und wie lassen sich vermeidbare Belastungen reduzieren?
Dabei ist Effizienz kein Synonym für Verzicht. Ein Dienst kann sinnvoll sein und dennoch unnötig viele Ressourcen beanspruchen, etwa wenn Software mehr Rechenleistung anfordert als ihre Aufgabe erfordert oder wenn Hardware früh ersetzt wird, obwohl sie noch geeignet ist. Umgekehrt ist eine digitale Anwendung nicht automatisch nachhaltig, nur weil sie Papier, Fahrten oder andere physische Prozesse ersetzen kann. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass Digitalisierung sowohl Ressourcenbedarf senken als auch Klima und Umwelt zusätzlich belasten kann. Quelle: Umweltbundesamt
Green IT ist kein einzelnes Produkt, sondern eine Reihe von Entscheidungen entlang des Lebenszyklus:
Die Sicht auf Entwurf, Herstellung, Nutzung und Entsorgung ist zentral. IBM fasst Green Computing genau als umweltbegrenzende Gestaltung dieser Phasen für Computer und weitere IT-Komponenten zusammen. Quelle: IBM
Ein Unternehmen ersetzt eine heterogene Serverlandschaft nicht pauschal durch neue Hardware. Zuerst prüft es, welche Anwendungen tatsächlich laufen, wie stark Systeme ausgelastet sind und ob Dienste konsolidiert, zeitweise abgeschaltet oder ressourcenschonender betrieben werden können. Parallel verlängert es die Nutzungsdauer geeigneter Arbeitsplatzgeräte durch Reparatur und Wiederverwendung.
Erst danach werden notwendige Beschaffungen nach Leistung, Energiebedarf, Haltbarkeit und Verwertbarkeit bewertet. Für den Betrieb können Teams beispielsweise die Kühlung und die Auslastung ihrer Infrastruktur beobachten. Das ist Green IT, weil Beschaffung, Software, Betrieb und Lebensdauer gemeinsam betrachtet werden – nicht weil nur ein einzelner Stromsparmodus aktiviert wird. Der Praxisbeitrag des Digital-Magazins ordnet dazu energieeffiziente Hardware, Rechenzentrumsoptimierung, erneuerbare Energien und langlebige beziehungsweise recycelbare Geräte als zusammenhängende Ansatzpunkte ein. Quelle: Digital-Magazin
Organisationen nutzen Green IT, um ihre IT-Landschaft nachvollziehbar nachhaltiger zu gestalten: bei Arbeitsplatz-IT, Beschaffungsregeln, Softwareentwicklung, Hosting und Rechenzentrumsbetrieb. Für die Einordnung von ausgelagerten Diensten ist der Begriff Cloud Computing hilfreich: Die Auslagerung in die Cloud verlagert Infrastruktur, ersetzt aber keine Prüfung von Auslastung, Datenhaltung und Lebenszyklus.
Auch private Nutzende können Green-IT-Prinzipien anwenden, etwa indem sie funktionierende Geräte länger nutzen, Energiesparoptionen sinnvoll einstellen und Altgeräte korrekt weitergeben oder entsorgen. Die Wirkung einzelner Schritte hängt jedoch vom konkreten Gerät, Strommix und Nutzungsverhalten ab. Green IT liefert daher einen Orientierungsrahmen, keine universelle Rangliste für jede Kaufentscheidung.
Ein verbreitetes Missverständnis lautet: effizientere Hardware müsse immer sofort alte Hardware ersetzen. Das Umweltbundesamt verweist darauf, dass bei Notebooks ein großer Teil der klimaschädlichen Emissionen im Lebenszyklus in der Herstellung entstehen kann; die betriebliche Einsparung eines neuen Geräts kann diesen Aufwand daher nicht automatisch kurzfristig ausgleichen. Quelle: Umweltbundesamt
Ebenso ist Green IT nicht auf Stromverbrauch reduzierbar. Rohstoffgewinnung, Produktion, Lebensdauer, Reparaturfähigkeit, Wiederverwendung und Entsorgung gehören ebenfalls dazu. Und Kennzahlen müssen sorgfältig eingeordnet werden: Das Umweltbundesamt beschreibt für den Energiebedarf von Rechenzentren große Spannweiten in Schätzungen und eine teils unzureichende Datenlage. Aus einzelnen Zahlen sollte deshalb keine umfassende Umweltbilanz abgeleitet werden.
Schließlich kann Digitalisierung einen Prozess verbessern und zugleich zusätzliche Nachfrage erzeugen. Green IT bewertet daher technische Maßnahmen immer im Kontext: Welche Aufgabe wird erfüllt, welche Ressourcen werden tatsächlich benötigt, und welche Folgen entstehen über den gesamten Lebensweg?
Energieeffizienz beschreibt, mit möglichst wenig Energie eine Leistung zu erbringen. Sie ist ein wichtiger Teil von Green IT, aber nicht deren gesamter Umfang.
Nachhaltige Digitalisierung ist weiter gefasst. Sie betrachtet neben der IT selbst auch soziale, organisatorische und gesellschaftliche Folgen digitaler Veränderungen. Green IT konzentriert sich besonders auf die Umweltwirkungen der Informationstechnik.
Internet of Things bezeichnet vernetzte Geräte und Dienste. IoT kann Green-IT-Ziele unterstützen, etwa durch Messdaten für einen effizienteren Betrieb, bringt aber selbst zusätzlichen Hardware-, Netzwerk- und Energiebedarf mit sich.