Auch genannt: Game-Streaming, Gaming as a Service; der englische Begriff „Cloud Gaming“ ist im Deutschen gebräuchlich.
Cloud Gaming bezeichnet eine Form des Spielens, bei der ein Videospiel nicht überwiegend auf dem eigenen PC, der Konsole oder dem Smartphone berechnet wird. Stattdessen läuft es auf einem entfernten Rechner in einem Rechenzentrum. Dieser rendert das Spielbild, kodiert es als fortlaufenden Videostream und sendet ihn über das Internet an das Endgerät. Eingaben vom Controller, der Tastatur oder dem Touchscreen gehen in Gegenrichtung zurück. Das eigene Gerät ist damit vor allem Anzeige und Eingabegerät, nicht der Ort der eigentlichen Spielberechnung.
Beim lokal installierten Spiel liegen Programmdateien und Rechenarbeit auf der eigenen Hardware. Grafikkarte und Prozessor erzeugen die Bilder, die unmittelbar auf dem angeschlossenen Bildschirm erscheinen. Beim Cloud Gaming verlagert ein Dienst diese Aufgabe auf seine Server. NVIDIA beschreibt das Grundprinzip entsprechend: Das Spiel läuft auf einem leistungsfähigen Rechner im Rechenzentrum statt auf dem Gerät vor den Spielenden; die laufende Spielszene wird zurückgestreamt.
Das kann den Einstieg vereinfachen. Ein Gerät muss nicht selbst die Hardwareanforderungen eines Spiels erfüllen, um einen Stream anzeigen zu können. Daraus folgt aber nicht, dass jede beliebige Hardware oder Verbindung gleich gut geeignet ist. Auch bei Cloud Gaming bleiben ein unterstütztes Endgerät, ein Konto beim jeweiligen Dienst und eine ausreichend stabile Internetverbindung Voraussetzungen. Welche Spiele, Regionen, Tarife und Geräte unterstützt werden, entscheidet der jeweilige Anbieter und kann sich ändern.
Eine Spielsitzung beginnt auf einer entfernten Serverinstanz. Dort startet das Spiel, verarbeitet die Spielregeln und berechnet Bild und Ton. Anschließend wird das gerenderte Material komprimiert und als Stream an den Client übertragen. Das Endgerät dekodiert den Stream und zeigt ihn an. Gleichzeitig sendet es Eingaben zurück: etwa einen Tastendruck, eine Mausbewegung oder ein Controller-Signal.
Die technische Logik ähnelt deshalb einem interaktiven Medienstream, ist aber anspruchsvoller als ein Filmstream. Bei einem Film steht die Abfolge der Bilder bereits fest und ein Player kann einen Vorrat an Daten puffern. In einem Spiel hängt der nächste Bildinhalt auch von der nächsten Eingabe ab. Microsoft dokumentiert für interaktives Pixel Streaming genau diese Richtungskette: Gerenderte Frames und Audio kommen von einem entfernten GPU-Rechner zum Browser; Maus- und Tastatureingaben werden zur Verarbeitung an den Server zurückgesendet.
Zwischen Tastendruck und sichtbarer Reaktion liegen mehrere Schritte: Eingabeübertragung, Verarbeitung auf dem Server, Rendering, Kodierung, Netzwerktransport, Dekodierung und Bildausgabe. Diese gesamte Verzögerung wird im Alltag oft als Latenz wahrgenommen. Nicht nur die nominelle Bandbreite, sondern auch Schwankungen der Verbindung, die Entfernung zum Rechenzentrum und die Auslastung des Heimnetzes können den Eindruck beeinflussen. Ein Video kann kurze Verzögerungen eher kaschieren; bei einem Spiel können sie die Steuerung spürbar machen.
Jemand möchte ein grafikintensives PC-Spiel auf einem älteren Laptop ausprobieren. Bei lokaler Installation wäre zunächst zu prüfen, ob Prozessor, Grafikchip, Speicher und freier Speicherplatz ausreichen. Mit einem Cloud-Gaming-Dienst wird das Spiel stattdessen auf der Infrastruktur des Dienstes ausgeführt. Auf dem Laptop erscheint ein Videostream; der angeschlossene Controller schickt seine Eingaben an die entfernte Sitzung.
Für ein ruhiges Adventure kann diese Konstellation im eigenen Netzwerk gut funktionieren, wenn der Stream stabil läuft. In einem sehr schnellen Rhythmusspiel oder kompetitiven Shooter können zusätzliche Verzögerungen hingegen stärker auffallen. Das Beispiel zeigt den Kernunterschied: Cloud Gaming ersetzt die lokale Rechenarbeit nicht durch „gar keine Technik“, sondern durch eine Rechenkette an einem anderen Ort.
Cloud Gaming wird vor allem genutzt, um Spiele auf Geräten bereitzustellen, die sie lokal nicht in der gewünschten Qualität ausführen könnten oder auf denen keine große Installation gewünscht ist. Je nach Dienst kann der Zugang über Browser, App, Fernseher, Smartphone, Tablet, Konsole oder PC erfolgen. Für manche Nutzungsfälle ist der schnelle Wechsel zwischen Geräten attraktiv; andere möchten Downloads, Patches und Speicherplatzverwaltung auf dem Endgerät vermeiden.
Auch die Geschäftsmodelle unterscheiden sich. Manche Angebote verknüpfen den Stream mit einer enthaltenen Spielebibliothek, andere setzen voraus, dass ein Spiel bereits in einem unterstützten Store oder Abo verfügbar ist. Deshalb sollte man „Cloud Gaming“ nicht mit einem bestimmten Dienst oder automatisch mit einem unbegrenzten Spielekatalog gleichsetzen. Ein Hintergrundbeitrag von Digital Magazin ordnet diese Unterschiede für Angebote in Deutschland ein und weist darauf hin, dass Verfügbarkeit und unterstützte Geräte regional beziehungsweise dienstabhängig geprüft werden sollten.
Das häufigste Missverständnis lautet: Eine schnelle Internetleitung allein garantiere gutes Cloud Gaming. Sie ist wichtig, beantwortet aber nicht alle Fragen. Entscheidend sind auch Stabilität, Latenz und die konkrete Strecke zwischen Endgerät und Rechenzentrum. WLAN-Störungen oder parallele hohe Netzlast können eine Sitzung beeinträchtigen, obwohl ein Geschwindigkeitstest grundsätzlich hohe Werte zeigt.
Cloud Gaming macht außerdem lokale Hardware nicht grundsätzlich überflüssig. Wer ohne sichtbare Verzögerung spielen möchte, nutzt Funktionen, die nur lokal verfügbar sind, oder von einem Dienst unabhängig sein will, kann weiterhin eine lokale Installation bevorzugen. Ebenso bleibt der Zugriff an Konten, Lizenzbedingungen, die Dienstverfügbarkeit und eine Internetverbindung gebunden. Ein Stream bedeutet daher weder Eigentum am Spiel noch eine Zusage, dass jeder Titel jederzeit auf jedem Gerät bereitsteht.
Remote Play streamt ein Spiel in der Regel von einem eigenen Host-PC oder einer eigenen Konsole auf ein zweites Gerät. Die Rechenarbeit bleibt dabei auf der eigenen Hardware. Beim Cloud Gaming läuft das Spiel dagegen auf Servern eines Dienstes.
Streaming ist der Oberbegriff für die fortlaufende Übertragung von Medien oder Daten. Cloud Gaming nutzt Streaming, ergänzt es aber um die Rückübertragung von Eingaben und eine interaktive, entfernte Spielausführung.
Ein Codec ist ein Verfahren beziehungsweise eine Software- oder Hardwarekomponente zum Kodieren und Dekodieren von Medien. Codecs sind Teil einer Streamingkette, aber nicht das Geschäfts- oder Nutzungsmodell Cloud Gaming selbst.