Latenz ist die Zeitspanne, die ein Datenpaket oder eine Anfrage benötigt, um von einer Quelle zu einem Ziel zu gelangen, beziehungsweise die Verzögerung, bis eine Antwort eintrifft. Sie ist neben der Bandbreite einer der zentralen Kennwerte für die Leistungsfähigkeit digitaler Verbindungen.
Latenz beschreibt eine Wartezeit, keine Datenmenge. Selbst eine Verbindung mit sehr hoher Kapazität kann eine hohe Latenz aufweisen, wenn Signale eine lange physische Strecke zurücklegen oder mehrere Zwischenstationen durchlaufen müssen. Umgekehrt kann eine Verbindung mit geringer Kapazität trotzdem sehr latenzarm sein, wenn Anfrage und Antwort schnell verarbeitet werden.
Latenz setzt sich aus mehreren Teilverzögerungen zusammen: der Ausbreitungszeit des Signals im Übertragungsmedium (abhängig von Entfernung und Medium, etwa Glasfaser oder Funk), der Verarbeitungszeit in Geräten wie Routern und Servern sowie Wartezeiten, wenn Netzwerkkomponenten ausgelastet sind. Häufig wird Latenz als Round-Trip-Time gemessen, also die Zeit für den vollständigen Weg von der Anfrage bis zur Antwort. Da sich Signale nie schneller als mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, bleibt bei großen Entfernungen stets ein physikalisches Minimum an Verzögerung bestehen, das sich technisch nicht beliebig verkleinern lässt.
Ein Server, der geografisch nahe an den Nutzenden steht, beantwortet eine Anfrage oft innerhalb weniger Millisekunden. Derselbe Dienst, von einem anderen Kontinent aus abgerufen, kann selbst bei identischer Bandbreite eine deutlich längere Antwortzeit aufweisen, weil das Signal eine größere Strecke zurücklegen muss.
Niedrige Latenz ist entscheidend für Echtzeitanwendungen: bei Videotelefonie und Online-Spielen, bei der Fernsteuerung von Maschinen, im industriellen Umfeld sowie beim autonomen Fahren. Ein verbreiteter Ansatz zur Latenzreduktion ist Edge Computing: Daten werden dabei näher am Ort ihrer Entstehung verarbeitet, statt sie erst zu einem entfernten Rechenzentrum zu schicken.
Latenz wird häufig mit langsamer Datenübertragung insgesamt verwechselt, obwohl sie nur die Verzögerung beschreibt, nicht die übertragbare Datenmenge. Auch die Annahme, mehr Bandbreite senke automatisch die Latenz, trifft nicht zu: Beide Kennwerte lassen sich unabhängig voneinander verbessern oder verschlechtern. Zudem lässt sich Latenz durch bessere Anbindung zwar reduzieren, aber wegen physikalischer Ausbreitungsgrenzen nie vollständig eliminieren.
Nicht verwechseln mit Bandbreite: Sie beschreibt, wie viele Daten pro Zeiteinheit übertragen werden können, während Latenz die Verzögerung bis zur ersten Antwort angibt. Ebenfalls abzugrenzen ist die Bitrate: Sie bezeichnet die kodierte Datenmenge pro Zeiteinheit bei Medieninhalten und ist damit ein Maß für Datenvolumen, nicht für Wartezeit.