Digitale Nachhaltigkeit bedeutet, digitale Wissensgüter wie Software, Daten und Inhalte so zu gestalten, dass sie langfristig zugänglich, wiederverwendbar, veränderbar und auch für künftige Generationen nutzbar bleiben.
Digitale Inhalte lassen sich zwar beliebig oft kopieren, ihre langfristige Nutzbarkeit ist aber keineswegs selbstverständlich: Geschlossene Formate, eingestellte Software oder restriktive Lizenzen können dazu führen, dass Wissen und Werkzeuge verloren gehen, obwohl die zugrunde liegenden Daten technisch noch vorhanden wären. Digitale Nachhaltigkeit fragt deshalb gezielt danach, wie digitale Güter gestaltet sein müssen, damit das nicht passiert.
Als digital nachhaltig gelten Güter, die auf offenen Standards und offen dokumentierten Formaten beruhen, deren Quellcode beziehungsweise Struktur transparent nachvollziehbar ist und die unter Lizenzen stehen, die Weiterverwendung und Veränderung erlauben. Hinzu kommt eine organisatorische Dimension: Wissen über ein digitales Gut sollte nicht allein von einer einzelnen Person oder Organisation abhängen, sondern auf mehrere Akteure verteilt und dokumentiert sein. Auch die physische Verfügbarkeit spielt eine Rolle – Daten und Anwendungen, die redundant an mehreren Orten vorgehalten werden, sind weniger von einem einzelnen Ausfall oder einer einzelnen abhängigen Organisation bedroht.
Eine öffentliche Verwaltung veröffentlicht eine selbst entwickelte Fachanwendung als freie Software mit offen dokumentiertem Datenformat. Andere Behörden können den Code dadurch auch dann weiterverwenden und pflegen, wenn die ursprünglich entwickelnde Stelle das Projekt nicht mehr fortführt.
Digitale Nachhaltigkeit wird als Leitprinzip eingesetzt, um bei der Gestaltung von Software, Datenbeständen und digitalen Inhalten Herstellerabhängigkeiten zu vermeiden, die langfristige Zugänglichkeit digitalen Wissens zu sichern und digitale Gemeingüter für Gesellschaft und künftige Generationen zu erhalten.
Digitale Nachhaltigkeit ist nicht dasselbe wie ökologische Energieeffizienz von IT-Systemen: Sie betrifft primär die langfristige Zugänglichkeit und Veränderbarkeit digitaler Güter, nicht deren Stromverbrauch. Offenheit allein garantiert außerdem noch keine Nachhaltigkeit – ein gut dokumentiertes, aber von niemandem mehr gepflegtes digitales Gut kann trotz offener Lizenz faktisch unzugänglich werden, wenn das Wissen darüber verloren geht.
Nicht zu verwechseln mit Green IT: Diese zielt auf einen ressourcen- und energieeffizienten Betrieb von IT-Systemen ab, während digitale Nachhaltigkeit die langfristige Zugänglichkeit und Veränderbarkeit digitaler Güter selbst betrifft. Ebenfalls abzugrenzen ist Freie Software: Diese ist ein wichtiges Mittel, um digitale Nachhaltigkeit zu erreichen, aber nicht automatisch mit ihr gleichzusetzen, da auch freie Software ohne Pflege und Dokumentation langfristig unzugänglich werden kann.