Eine selbstsouveräne Identität ist ein Identitätsmodell, bei dem eine Person ihre digitalen Nachweise selbst verwaltet und kontrolliert, statt sich auf zentrale Anbieter zu verlassen.
Auch genannt: SSI, Self-Sovereign Identity
Bei einer selbstsouveränen Identität verwahrt eine Person ihre digitalen Nachweise selbst, etwa in einer eigenen App, und entscheidet jeweils, welche Informationen sie an wen weitergibt.
Vertrauenswürdige Stellen stellen digitale Nachweise, etwa einen Studienabschluss oder einen Wohnsitznachweis, kryptografisch signiert aus. Die Person speichert diese Nachweise selbst und kann sie gezielt, häufig nur in Teilen, gegenüber einer prüfenden Stelle vorzeigen, ohne dass die ausstellende Stelle davon erfährt.
Statt bei jeder Registrierung Name, Geburtsdatum und Adresse vollständig preiszugeben, zeigt eine Person nur den Nachweis, volljährig zu sein, ohne ihr genaues Geburtsdatum offenzulegen.
Das Konzept prägt die Diskussion um europäische Identitätswallets und dezentrale Nachweissysteme, bei denen Nutzende die Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten sollen.
Selbstsouveräne Identität ist ein Gestaltungsideal. Die europäische Identitätswallet setzt weiterhin zentrale, staatlich zertifizierte Ausstellungsstellen voraus und verbindet dadurch regulierte Vertrauensstrukturen mit Elementen der Selbstsouveränität, ohne vollständig dezentral zu sein.
Nicht zu verwechseln mit der EU Digital Identity Wallet, der konkreten europäischen Umsetzung, die SSI-Prinzipien aufgreift, aber ein eigenständiges, reguliertes System ist, oder mit Digitaler Identität, dem allgemeinen Oberbegriff für Identitätsnachweise im digitalen Raum.