Software-Obsoleszenz bezeichnet den Fall, dass ein technisch einwandfrei funktionierendes, vernetztes Gerät vorzeitig unbrauchbar wird, weil der Hersteller notwendige Software-Updates, Apps oder begleitende Cloud-Dienste nicht mehr bereitstellt.
Ein Saugroboter, ein smarter Lautsprecher oder ein E-Bike mit App-Steuerung können hardwareseitig noch tadellos arbeiten – wenn der Hersteller aber keine Sicherheitsupdates mehr liefert, die zugehörige App aus dem App-Store nimmt oder den benötigten Cloud-Dienst abschaltet, lässt sich das Gerät oft nicht mehr sinnvoll nutzen. Das Umweltbundesamt bezeichnet dieses Phänomen als Software-Obsoleszenz.
Vernetzte Produkte benötigen regelmäßige Updates, um Fehler zu beheben und Sicherheitslücken zu schließen. Werden diese Updates eingestellt, können ältere Geräte mit neueren Betriebssystemen inkompatibel werden – und umgekehrt können neue Geräte mit veralteter Software nicht mehr richtig funktionieren. Das Umweltbundesamt fordert deshalb unter anderem verbindliche Mindestzeiträume für Sicherheitsupdates, Kompatibilität zwischen Produktsystemen verschiedener Hersteller und die Möglichkeit, Geräte notfalls auch ohne Vernetzung weiternutzen zu können. Der EU Cyber Resilience Act verpflichtet Hersteller seit 2024 zusätzlich, Sicherheitsupdates für vernetzte Produkte über einen Supportzeitraum bereitzustellen, der sich an der voraussichtlichen Nutzungsdauer orientiert und in der Regel mindestens fünf Jahre umfasst. Für digitale Inhalte und digitale Dienstleistungen schreibt zudem § 327f BGB eine Update-Pflicht des Unternehmens während des maßgeblichen Vertragszeitraums vor.
Eine smarte Heizungssteuerung funktioniert mechanisch weiterhin einwandfrei, die zugehörige Steuerungs-App läuft aber nur noch mit einem neueren Smartphone-Betriebssystem. Ohne neues Smartphone lässt sich die Heizung nicht mehr fernsteuern, obwohl die Hardware intakt ist.
Der Begriff Software-Obsoleszenz wird verwendet, um auf die besonderen Risiken vernetzter Produkte hinzuweisen, politische Forderungen nach längeren Update-Zeiträumen zu begründen und Verbraucherinnen und Verbrauchern beim Kauf vernetzter Geräte auf die Bedeutung von Update- und Support-Zusagen aufmerksam zu machen.
Software-Obsoleszenz betrifft nicht nur klassische Computer oder Smartphones, sondern zunehmend auch Haushaltsgeräte, Fahrzeugzubehör und Wearables, was häufig unterschätzt wird. Außerdem wird oft übersehen, dass auch kostenlose, mitgelieferte Apps oder Cloud-Dienste zur Kernfunktion eines Geräts gehören können – ihr Wegfall kann die Nutzbarkeit ebenso stark einschränken wie ein Hardwaredefekt.
Nicht zu verwechseln mit Obsoleszenz: Obsoleszenz ist der allgemeine Oberbegriff für das Veralten von Produkten jeder Art, Software-Obsoleszenz der Spezialfall, bei dem ausschließlich fehlende Software-Unterstützung ein technisch funktionsfähiges Gerät unbrauchbar macht.