Auch genannt: Technologiefolgenabschätzung, Technology Assessment
Technikfolgenabschätzung ist die systematische Analyse und Bewertung der möglichen Wirkungen und Folgen einer Technik oder Technologie auf Gesellschaft und Umwelt, insbesondere zur Vorbereitung politischer Entscheidungen.
Neue Technologien verändern das Leben häufig in Bereichen, an die bei ihrer Entwicklung zunächst niemand gedacht hat. Technikfolgenabschätzung versucht, solche Wirkungen schon vorab oder frühzeitig systematisch zu untersuchen: Wer gewinnt, wer verliert, welche Risiken entstehen, und welche gesellschaftlichen Bereiche sind überhaupt betroffen? Die Ergebnisse sollen politische Entscheidungsträgerinnen und -träger beraten, bevor eine Technologie breit zum Einsatz kommt.
Eine Technikfolgenabschätzung beginnt mit der Beschreibung der zu untersuchenden Technik und der gesellschaftlichen Situation, in der sie eingesetzt werden soll. Darauf folgt die Identifikation jener Bereiche der natürlichen und sozialen Umwelt, in denen Auswirkungen zu erwarten sind, sowie die Abschätzung möglicher Entwicklungsverläufe. Am Ende stehen Handlungsempfehlungen für die Politik, die üblicherweise durch spezialisierte Einrichtungen erarbeitet werden, in Deutschland etwa durch das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag.
Vor der breiten Einführung einer neuen biometrischen Erkennungstechnologie im öffentlichen Raum untersucht eine Technikfolgenabschätzung mögliche Auswirkungen auf Grundrechte, Diskriminierungsrisiken und gesellschaftliche Akzeptanz. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen fließen in die politische Beratung über eine mögliche Regulierung ein.
Technikfolgenabschätzung wird eingesetzt, um Parlamente und Regierungen frühzeitig über Chancen und Risiken neuer Technologien zu informieren, gesellschaftliche Debatten über strittige Technologien zu versachlichen und Regulierungsbedarf vorausschauend zu erkennen, bevor negative Folgen in großem Umfang eintreten.
Technikfolgenabschätzung kann nur auf Basis des zum Zeitpunkt der Analyse verfügbaren Wissens arbeiten; völlig unerwartete Entwicklungen, sogenannte „Unknown Unknowns“, lassen sich grundsätzlich nicht vorhersehen. Häufig wird außerdem übersehen, dass es sich um ein beratendes, nicht um ein entscheidendes Instrument handelt – die eigentliche politische Entscheidung bleibt bei den dafür zuständigen demokratischen Institutionen.
Nicht zu verwechseln mit Datenschutz-Folgenabschätzung: Die Datenschutz-Folgenabschätzung ist ein konkretes, rechtlich vorgeschriebenes Prüfverfahren für einzelne Datenverarbeitungsvorgänge nach der Datenschutz-Grundverordnung, Technikfolgenabschätzung ist dagegen ein breiter angelegtes wissenschaftlich-politisches Instrument zur Bewertung ganzer Technologien. Ebenfalls abzugrenzen ist Digitale Kluft: Die digitale Kluft beschreibt ein konkretes gesellschaftliches Ungleichheitsphänomen, Technikfolgenabschätzung ist die übergeordnete Methodik, mit der auch solche Phänomene als mögliche Folge neuer Technologien untersucht werden können.