Überwachungskapitalismus bezeichnet ein Wirtschaftsmodell, das persönliche Verhaltensdaten aus digitalen Diensten systematisch sammelt und zu Vorhersageprodukten verarbeitet, um sie zu vermarkten.
Der Begriff beschreibt die Praxis, dass digitale Dienste Nutzungsdaten und Verhaltensmuster von Menschen erfassen, um daraus Vorhersageprodukte zu erstellen und zu verkaufen, etwa für zielgerichtete Werbung.
Digitale Plattformen erfassen fortlaufend Verhaltensdaten ihrer Nutzenden, oft weit über das für den eigentlichen Dienst notwendige Maß hinaus. Diese Daten werden ausgewertet, um Vorhersagen über zukünftiges Verhalten zu treffen, die anschließend an werbetreibende Unternehmen oder andere Dritte vermarktet werden.
Ein soziales Netzwerk wertet aus, welche Beiträge eine Person besonders lange betrachtet, und nutzt dieses Muster, um ihr passende Werbeanzeigen auszuspielen.
Der Begriff wird in der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Debatte verwendet, um datengetriebene Geschäftsmodelle großer Plattformen kritisch einzuordnen und ihre Folgen für Privatsphäre und Autonomie zu diskutieren.
Überwachungskapitalismus ist ein analytisch-kritischer Begriff aus der Gesellschaftswissenschaft, keine rechtliche oder technische Kategorie. Nicht jede Datenerhebung fällt automatisch darunter – entscheidend ist die systematische Vermarktung von Verhaltensvorhersagen als Geschäftsmodell.
Nicht zu verwechseln mit Tracking, der einzelnen technischen Erfassungsmethode, die dem Geschäftsmodell zugrunde liegen kann, aber nicht mit ihm identisch ist, oder mit Plattformökonomie, dem allgemeinen Geschäftsmodell digitaler Vermittlungsplattformen, das nicht zwingend datenkritisch ausgerichtet sein muss.