Ein Datenmarktplatz ist eine digitale Plattform, auf der Datenprodukte zwischen Anbietenden und Nachfragenden gehandelt werden.
So wie klassische Marktplätze Angebot und Nachfrage nach Waren zusammenbringen, verbinden Datenmarktplätze Unternehmen oder Personen, die Daten anbieten, mit solchen, die diese Daten nachfragen. Eine einheitliche Definition gibt es in der Forschung nicht, doch im Kern handelt es sich immer um eine Plattform, über die Datenprodukte gehandelt werden können – von einzelnen Dateidownloads bis zu laufenden Datenströmen über Schnittstellen.
Datenmarktplätze stellen in der Regel standardisierte Lizenzmodelle sowie Regelungen für Zugang und Nutzung bereit, damit Datenprodukte auch ohne individuelle Vertragsverhandlung gehandelt werden können. Je nach Geschäftsmodell unterscheidet die Forschung private, konsortial betriebene und unabhängig-neutrale Marktplätze. Anders als bestimmte Datenvermittlungsdienste nach dem Data Governance Act sind Datenmarktplätze nicht zwingend zur Neutralität verpflichtet: Sie können die gehandelten Daten auch selbst anbieten oder davon kommerziell profitieren.
Ein Anbieter stellt über einen Datenmarktplatz aktuelle Wetter- und Verkehrsdaten als Datenstrom gegen eine nutzungsabhängige Gebühr bereit. Unternehmen aus Logistik oder Landwirtschaft können diese Daten direkt über eine standardisierte Schnittstelle abonnieren, ohne einen individuellen Liefervertrag auszuhandeln.
Datenmarktplätze werden eingesetzt, um den kommerziellen Handel mit Datenprodukten zu standardisieren, neue datenbasierte Geschäftsmodelle zu ermöglichen und Unternehmen den Zugang zu Datenquellen zu erleichtern, die sie nicht selbst erheben.
Ein Datenmarktplatz wird oft mit einem neutralen Datenintermediär gleichgesetzt; tatsächlich muss ein Datenmarktplatz keine strukturelle Neutralität wahren und kann selbst wirtschaftlich von den gehandelten Daten profitieren, was für regulierte Datenvermittlungsdienste gerade ausgeschlossen ist. Zudem variiert die konkrete Ausgestaltung – von Funktionsumfang über Preismodelle bis zu Datenqualität – stark zwischen einzelnen Marktplätzen, weshalb sich kaum allgemeingültige Aussagen über „den“ Datenmarktplatz treffen lassen.
Nicht zu verwechseln mit dem Datenraum: Der Datenraum ist der weiter gefasste Infrastrukturbegriff, der auch vor- und nachgelagerte Prozesse der Datenerhebung und -verarbeitung sowie die beteiligten Akteure einschließt, während der Datenmarktplatz enger den kommerziellen Austausch von Daten bezeichnet, der auch innerhalb eines Datenraums stattfinden kann. Ebenfalls abzugrenzen vom Datenintermediär: Dieser unterliegt als regulierter Datenvermittlungsdienst einer gesetzlichen Neutralitätspflicht, der Datenmarktplatz nicht zwingend.