Digitale Gesundheitskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, gesundheitsrelevante Informationen im Internet zu suchen, zu finden, zu verstehen, auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen und digitale Gesundheitsangebote zu nutzen.
Wer online nach Informationen zu Symptomen sucht oder eine Videosprechstunde wahrnehmen möchte, braucht dafür mehr als allgemeine Medienkompetenz. Digitale Gesundheitskompetenz umfasst zusätzlich die Fähigkeit, die Qualität von Gesundheitsinformationen im Netz einzuschätzen und digitale Gesundheitsangebote wie die elektronische Patientenakte oder digitale Gesundheitsanwendungen überhaupt für sich zu erschließen.
Der Nationale Aktionsplan Gesundheitskompetenz unterscheidet allgemeine Gesundheitskompetenz – das Wissen, die Motivation und die Fähigkeiten, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden – von ihrer digitalen Erweiterung. Digitale Gesundheitskompetenz schließt zusätzlich ein, digitale Gesundheitsangebote wie Videosprechstunden, elektronische Patientenakte oder digitale Gesundheitsanwendungen zu finden, zu bewerten und tatsächlich zu nutzen. Vorausgesetzt werden dafür sowohl technische Grundvoraussetzungen wie Internetzugang und Endgeräte als auch die Fähigkeit, Qualitätsmerkmale von Online-Gesundheitsinformationen wie Impressum oder Quellenangaben einzuordnen.
Eine Person recherchiert vor einem Arzttermin online zu möglichen Ursachen ihrer Beschwerden, prüft dabei anhand von Impressum und Quellenangaben, ob die gefundene Seite vertrauenswürdig ist, und bereitet sich anschließend über das Patientenportal ihrer Praxis auf die anstehende Videosprechstunde vor.
Digitale Gesundheitskompetenz wird in der Gesundheitsförderung und -politik herangezogen, um Programme zur Stärkung der Bevölkerung im Umgang mit digitalen Gesundheitsinformationen und -angeboten zu entwickeln und digitale Ausgrenzung beim Zugang zu Gesundheitsversorgung zu verhindern.
Digitale Gesundheitskompetenz wird oft auf reine Technikbedienung reduziert; tatsächlich zählt auch die kritische Bewertung der Qualität und Verlässlichkeit gefundener Gesundheitsinformationen dazu, nicht nur das technische Zurechtfinden in Apps oder Portalen. Zudem ist sie laut Nationalem Aktionsplan in der deutschen Bevölkerung mehrheitlich schwach ausgeprägt, was das Risiko einer digitalen Kluft beim Zugang zu Gesundheitsinformationen und -versorgung erhöht.
Nicht zu verwechseln mit der Digitalen Kompetenz: Digitale Kompetenz bezieht sich allgemein auf die reflektierte Nutzung digitaler Medien und Technologien in beliebigen Lebensbereichen, während sich digitale Gesundheitskompetenz spezifisch auf das Finden, Verstehen und Bewerten gesundheitsbezogener Informationen und Angebote bezieht. Ebenfalls abzugrenzen vom E-Health: E-Health bezeichnet die digitalen Gesundheitsangebote und -technologien selbst, digitale Gesundheitskompetenz die Fähigkeit der Nutzenden, mit diesen Angeboten kompetent umzugehen.