Ein digitales Ökosystem ist ein Netzwerk aus Entwicklerinnen und Entwicklern, Anbietern, Organisationen und Anwendenden digitaler Produkte und Services, die durch gemeinsame Technik, Schnittstellen und Regeln miteinander verbunden sind und voneinander profitieren.
Auch genannt: Digital Ecosystem, Plattform-Ökosystem
Ein Wald besteht nicht nur aus einem einzelnen Baum, sondern aus vielen Arten, die sich gegenseitig beeinflussen. Ähnlich ist ein digitales Ökosystem mehr als ein einzelnes Produkt: Es umfasst den Kern, etwa eine Plattform, und all jene, die darauf aufbauen, ergänzen oder es nutzen – von Softwarefirmen über Dienstleister bis zu Kundinnen und Kunden.
Im Zentrum steht meist eine technische Basis, die Dritten den Zugang erleichtert, zum Beispiel über offene Schnittstellen (siehe Application Programming Interface). Auf dieser Basis entwickeln externe Partner eigene Angebote, die den Kern attraktiver machen. Mehr Angebote ziehen mehr Nutzende an, mehr Nutzende motivieren weitere Anbieter: Dieser Verstärkungseffekt wird als Netzwerkeffekt bezeichnet. Regeln zu Zugang, Qualität, Datennutzung und Vergütung halten das Gefüge zusammen. Wichtig sind dabei Transparenz, ein breiter Zugang und ein lebendiger Austausch der Beteiligten.
Ein Hersteller von Haustechnik stellt eine Schnittstelle bereit, über die Drittanbieter Zusatzfunktionen anbinden können: eine Energieberatung, einen Wartungsdienst, eine Versicherung. Kundinnen und Kunden erhalten dadurch ein Gesamtangebot, das der Hersteller allein nicht liefern könnte, und alle Beteiligten teilen sich Nutzen und Aufwand.
Unternehmen bauen oder beteiligen sich an digitalen Ökosystemen, um Innovation zu beschleunigen, Kompetenzen zu bündeln und Kundinnen und Kunden umfassendere Lösungen zu bieten. Öffentliche Stellen und Verbände nutzen den Begriff, wenn sie über offene Standards, Datenaustausch und Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft sprechen. Für einzelne Organisationen stellt sich die strategische Frage, ob sie ein Ökosystem selbst orchestrieren oder als Partner darin mitwirken.
Ein Ökosystem entsteht nicht automatisch, nur weil ein Unternehmen eine App oder Schnittstelle anbietet: Ohne Anreize für Partner und ohne genügend Nutzende bleibt es leer. Häufig wird angenommen, ein Ökosystem sei immer offen und fair; tatsächlich kann der Betreiber der zentralen Plattform Bedingungen diktieren, und Abhängigkeiten der Partner sind möglich. Außerdem ist ein Ökosystem nicht dasselbe wie ein Zusammenschluss von Firmen unter einer Konzernstruktur, sondern ein loses, oft wechselndes Netzwerk.
Nicht zu verwechseln mit Plattformökonomie: Diese beschreibt ein Wirtschaftsmodell, in dessen Zentrum eine Plattform als Vermittlerin steht, während das Ökosystem das gesamte Netzwerk drumherum meint. Ebenso zu unterscheiden vom Digitalen Geschäftsmodell, das die Ertragslogik eines einzelnen Unternehmens beschreibt, und vom Datenraum, bei dem der vertrauenswürdige Datenaustausch im Vordergrund steht.