Ein Verifiable Credential ist ein fälschungssicherer, kryptografisch überprüfbarer digitaler Nachweis von Angaben, den eine ausstellende Stelle über eine Person oder Organisation ausgestellt hat.
Ein klassischer Ausweis oder ein Zeugnis bestätigt bestimmte Angaben über seine Inhaberin oder seinen Inhaber und lässt sich auf Echtheit prüfen. Ein Verifiable Credential überträgt dieses Prinzip in die digitale Welt: Es enthält Angaben, die kryptografisch mit der ausstellenden Stelle verknüpft sind, sodass sich Herkunft und Unverändertheit jederzeit elektronisch überprüfen lassen.
Am Austausch eines Verifiable Credentials sind drei Rollen beteiligt: eine ausstellende Stelle, die den Nachweis mit ihrer digitalen Signatur versieht, die Inhaberin oder der Inhaber, die den Nachweis in einer digitalen Wallet verwahrt, und eine prüfende Stelle, die den Nachweis bei Bedarf vorgelegt bekommt und seine Gültigkeit kryptografisch überprüft. Durch diese Signatur lässt sich jede nachträgliche Veränderung des Nachweises erkennen. Moderne Umsetzungen erlauben zudem eine selektive Offenlegung, sodass nur die für einen konkreten Zweck tatsächlich benötigten Angaben gezeigt werden müssen, ohne den gesamten Nachweis offenzulegen.
Eine Hochschule stellt ein digitales Abschlusszeugnis als Verifiable Credential aus. Eine Bewerberin legt es bei einem Arbeitgeber vor, der die Echtheit und Unverändertheit des Zeugnisses direkt elektronisch prüfen kann, ohne bei der Hochschule nachfragen zu müssen.
Verifiable Credentials werden eingesetzt, um Ausweise, Zeugnisse, Berufsqualifikationen oder andere amtliche und private Nachweise digital fälschungssicher auszustellen und vorzuzeigen, etwa im Rahmen digitaler Identitäts-Wallets für grenzüberschreitende Behörden- und Geschäftsvorgänge.
Ein Verifiable Credential ist kein eigenständiger Ausweis, sondern ein Datenformat für Nachweise – es benötigt stets eine Wallet-Anwendung, die es speichert und bei Bedarf vorlegt, sowie eine prüfende Stelle, die es akzeptiert. Die kryptografische Überprüfbarkeit sagt außerdem nichts über die inhaltliche Richtigkeit der bestätigten Angaben aus, sondern nur darüber, dass der Nachweis tatsächlich von der angegebenen Stelle stammt und seither unverändert ist.
Nicht zu verwechseln mit Digitale Identität: Diese ist das übergeordnete Konzept der elektronischen Repräsentation einer Person, ein Verifiable Credential ist ein konkreter, einzelner Nachweis innerhalb dieser Identität. Ebenfalls abzugrenzen ist Qualifizierte elektronische Signatur: Diese ersetzt rechtlich die handschriftliche Unterschrift unter einem Dokument, während ein Verifiable Credential ein bestätigter Datensatz mit Angaben ist, der selbst signiert sein kann.